Julia Fullerton-Batten: Die Geschichten vom alten Vater Themse

Fasziniert von all den Geschichten, die die Themse zu erzählen hat, machte sich die Kunstfotografin und Hasselblad-Botschafterin Julia Fullerton-Batten daran, diese Geschichten über Leben und Tod mit der H6D-100c ans Licht zu bringen.

 

Ursprünglich aus Bremen, Deutschland, zog Julia vor fast dreißig Jahren nach England, wo sie immer in der Nähe der Ufer der Themse lebte. Als zweitlängster Fluss im Vereinigten Königreich war die Themse in der Vergangenheit nicht nur für London, sondern für sieben verschiedene Grafschaften in England die wichtigste Kommunikations-, Transport- und Nahrungslinie. Als großer Versorger der Engländer ist es keine Überraschung, dass die Wasserquelle den Spitznamen „Old Father Thames“ trägt.

Julia knüpfte eine Verbindung zu diesem mächtigen Fluss und war fasziniert von seiner Geschichte und all den Geschichten, die er zu erzählen hatte. „Die Themse ist mit vielen interessanten Einzelgeschichten gespickt. Die Geschichten umfassen Geburt, Taufe, Tod, Selbstmord, Flaschenpost, fressende Jugendliche am Flussufer, malerische alte Boote, Gefängnisschiffe und andere melodramatische Episoden von Leben und Tod.“

 

Mit der Hasselblad H6D-100c startete Julia ihr Projekt Old Father Thames, um verschiedene Geschichten und Situationen, die sich an den Ufern des Flusses zugetragen haben zum Leben zu erwecken. Bekannt für ihre Auswahl an kuriosen Orten, erfinderischen Konzepten, zuordenbaren Themen und unverwechselbaren filmischen Beleuchtungstechniken, enthalten Julias Projekte mysteriöse Elemente die den Betrachter dazu bringen mehr als nur einen zweiten Blick darauf zu werfen.

Ophelia
Der Hogsmill River, ein Nebenfluss der Themse, war die Kulisse für John Everett Millais‘ ikonisches Gemälde von Shakespeares Ophelia. Als Teil der Geschichte der Themse hat Julia die Szene auf diesem wunderschön dramatischen Foto bis ins kleinste Detail nachgebildet. Julia kommentierte: „Ich konnte die Szene genau an der Stelle drehen, an der er [Millais] 1851 den ersten Teil des Gemäldes schuf. Außerdem habe ich jede einzelne Blume, die auf dem Gemälde vorhanden ist, in meinem Bild nachgebildet. Zudem habe ich darauf geachtet, dass mein Model ähnliche Eigenschaften, Haar- und Hautfarbe hat.“

Verschlusszeit: 1/30 sek
Blende: f/9,5

Bader an der Tower Bridge
Auf seinem Höhepunkt erwiesen sich die Ufer der Themse neben der London Bridge als Ort der Unterhaltung, an dem alle Mitglieder der Gesellschaft, insbesondere Frauen und Kinder, badeten. Aber wegen der Flut, die alle 3-4 Stunden kam, wurden Schwimmen und Sonnenbaden normalerweise unterbrochen. Mit diesem Bild porträtiert Julia eine Umgebung der 1950er Jahre entlang der Themse mit Frauen und Kindern in einteiligen Badeanzügen, Essensständen und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten, die für eine schnelle Flucht vor der Flut eingerichtet sind. Alles mit der Tower Bridge im Hintergrund.

Verschlusszeit: 1/80 sek
Blende: f/16

Swan Upping
„Swan Upping“ ist eine Praxis, die im 11. Jahrhundert entlang der Themse begann, wo wertvolle Höckerschwäne zusammengetrieben wurden, um ihre Schnäbel zu markieren und den Besitz anzuzeigen. Julias Foto bildet diese traditionelle Zeremonie nach, die noch immer jedes Jahr in der dritten Juliwoche stattfindet. Heutzutage wird dies getan, um eine Zählung der Schwanenpopulation durchzuführen.

Verschlusszeit: 1/125 sek
Blende: f/9,5

Der Getreideturm
Grain Tower, eine Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Offshore-Festung, wurde gebaut, um die Themse vor der Invasion der Franzosen zu schützen. Sie liegt 600 Meter auf dem Meer und ist daher bei Flut nur mit dem Boot und bei Ebbe über einen erhöhten Pfad oder Damm erreichbar. Dieses Foto stellt eine Geschichte aus der Zeitung The Times vom Mai 1867 nach, in der Marie Eugenie, die jüngste Tochter von Captain E. F. S. Lloyd von den Royal Engineers, möglicherweise an Tuberkulose oder einem tödlichen Unfall gestorben war.

Verschlusszeit: 1/250 sek
Blende: f/13

Amy Johnson
Amy Johnson, die erste Pilotin, die eine Solo-Reise von Großbritannien nach Australien unternahm ging in den Gewässern der Themse verloren. Bei schlechtem Wetter beim Fliegen erwischt, benutzte Amy eine Fallschirmflucht aber ohne Erfolg. Julias Foto zeigt den schrecklichen Tod einer Heldin, deren Leiche nie in den tiefen Gewässern der Old Father Thames gefunden wurde.

Hinter den Kulissen
Sehen Sie sich hinter den Kulissen Material von Genevieve Stevenson an:

Über Julia Fullerton-Batten
Hasselblad Ambassador Julia Fullerton-Batten ist eine weltweit gefeierte und ausgestellte Kunstfotografin. Ihr Werk umfasst nun zwölf Großprojekte, die sich über ein Jahrzehnt des Engagements in diesem Bereich erstrecken. Sie hat unzählige Auszeichnungen für ihre kommerziellen und künstlerischen Arbeiten gewonnen und wurde 2008 Hasselblad Master.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

Die Originalfassung des am 12.02.2022 auf www.hasselblad.com erschienen Artikels können Sie hier nachlesen: 

Julia Fullerton-Batten | The Tales of Old Father Thames

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